Pferdeblick

 

Ein Gedankenexperiment:

Stell dir einmal vor, du hast gerade den Job gewechselt und beginnst bei einem neuen Unternehmen. Motiviert beginnst du deinen ersten Arbeitstag.

Dein neuer Chef ist freundlich, übernimmt die Einarbeitung und zeigt dir die Arbeitsabläufe.

Weil der Chef von deiner guten Ausbildung und deiner Arbeitseinstellung begeistert ist, wird dir nach kurzer Einarbeitung die erste Aufgabe zugeteilt, die du eigenverantwortlich bearbeiten sollst.

Du legst dich ins Zeug, denn du willst die Erwartungen deines Chefs nicht enttäuschen und obwohl die neuen Anforderungen hoch sind, lieferst du ein Ergebnis ab, in dem all dein Können steckt und mit dem du zufrieden bist.

Leider teilt dein Chef deine Ansicht über die Qualität deiner Arbeit nicht und zitiert dich in sein Büro.

Mit einer wortgewaltigen Standpauke lässt er dich wissen, dass er sehr enttäuscht von dir ist und dass  du die Arbeit gefälligst nochmal richtig machen und dich diesmal mehr bemühen sollst.

Ohne dir mitzuteilen, wie er sich das Ergebnis deiner Arbeit vorstellt oder was du beim ersten Versuch falsch gemacht hast, schmeißt er dich anschließend aus seinem Büro und lässt dir keine Zeit für Nachfragen.

Wie fühlst du dich jetzt? Bist du noch immer motiviert und hast eine positive Einstellung zu deinem Job?

Wahrscheinlich nicht.

Und selbst wenn du dir jetzt denkst „Dem zeigst ich`s!“, wird deine Motivation nachlassen, je öfter du in eine solche Situation gelangst.

Du wirst versuchen, die unangenehmen Reaktionen deines Chefs zu umgehen, indem du nur noch die Routineaufgaben übernimmst, bei denen du sicher bist, dass du sie den Anforderungen entsprechend lösen kannst.

Neuen Aufgaben wirst du soweit möglich aus dem Weg gehen.

Sollte dies nicht möglich sein, wirst du mit hoher Anspannung und Nervosität auf dir unbekannten Anforderungen reagieren.

Im laufe der Zeit wirst du schließlich entweder resignieren oder das Unternehmen verlassen, sobald du die Chance dazu hast.

 

Und was hat das jetzt mit  Pferden zu tun?

 

Eine ganze Menge, denn neben einigen Unternehmen sind auch Reitställe Orte, an denen man solche Szenen enttäuschter Erwartungen täglich hunderttausende Male beobachten kann.

Hier spielt sich oft genau dieser Film ab, ohne dass sich jemand der Tatsache bewusst ist:

 

In den Hauptrollen:

Der Angestellte  –  gespielt vom Pferd

Der Chef  –  gespielt vom Reiter / Pferdebesitzer

Die Handlung:

Grundsätzlich liebt der Reiter (Chef)  sein Pferd  (Angestellten) und ist überzeugt vom Können seines Tieres (seines Angestellten). Gleichzeitig erwartet er (der Chef) eine gewisse Leistung und Zusammenarbeit von seinem vierbeinigen Partner (Angestellten), die er als Chef  auch jederzeit abrufen können will.

Solange das Pferd (der Angestellte) diese Anforderungen prompt und zu vollster Zufriedenheit des Reiters (Chefs) erfüllt, ist alles in Ordnung.

Jetzt bringt das Pferd aber leider nicht immer die 100-Prozent-Leistung, die erwartetet wird.

Sei es durch Ablenkung oder weil dieAufgabe anstrengend oder schwer auszuführen ist, das Pferd schafft es nicht aus jeder Situation heraus, die Anforderungen vollständig zu erfüllen.

Wenn die Aufgabe dem Pferd aber als bekannt gilt, hört die Pferdeliebe (das Verständnis) an diesem Punkt oft auf und der Reiter  in der Rolle des Chefs besteht darauf, dass das Pferd „das jetzt zu tun hat, und zwar anständig!“

Dann wird solange geübt, „bis das Pferd sich konzentriert und bemüht und endlich aufhört, den Reiter zu veräppeln“.

Was hinter den Kulissen passiert:

Hinter den Kulissen spielt sich bei beiden Parteien das Drama enttäuschter Erwartungen ab.

Zunächst werden die Erwartungen des Reiters enttäuscht wenn das Pferd nicht wie gewünscht reagiert.

Anstatt sich dann aber damit auseinander zu setzen, ob seine Erwartungen vielleicht zu hoch gegriffen waren oder wie er seinem Pferd die Aufgabenstellung begreiflicher darstellen und ihm zu einer besseren Ausführung der Übung verhelfen kann, sieht er sein Pferd in der Pflicht, von selbst den Fehler zu finden und es besser zu machen.

Er betrachtet das Pferd als den Verursacher seiner Enttäuschung.

Aus Sicht des Pferdes stellt sich die selbe Situation ganz anders dar: Es hat auf die Anforderung des Reiters reagiert und erwarten dafür keine Bestrafung in Form von Mehrarbeit sondern eine Bestätigung.

Auch die Erwartung des Pferdes wird enttäuscht.

Wird ihm die Bestätigung im Laufe des weiteren Trainings immer wieder verweigert, wird es irgendwann seine eigene Leistung mit zusätzlicher Mehrarbeit verknüpfen und die Motivation wird stetig sinken.

Diese Handlungsmuster führen oft in einen Teufelskreis und Pferd und Reiter verlieren durch Erwartungen, Enttäuschungen und Missverständnisse die Freude an der Zusammenarbeit.

 

 

Die Lösung: Sei für dein Pferd der Chef, den du dir für dich selbst wünschst!

 

Stelle dir einmal die Frage, in welcher Atmosphäre du arbeiten möchtest.

Ganz vorne mit dabei in deiner Top Ten wäre mit Sicherheit ein Unternehmen, in dem du dich persönlich einbringen kannst und in dem du dich ohne mentalen oder körperlichen Stress konzentriert einer Aufgabe widmen darfst, die dich weder über- noch unterfordert und dir gleichzeitig Feedback liefert, wenn du etwas gut erledigt hast oder auf dem richtigen Weg bist.

Das selbe gilt auch für dein Pferd!

Hier bist du als „Chef“ gefragt!

Schaffe für dein Pferd ein mental und körperlich angenehmes Erlebnis der Zusammenarbeit und du bekommst einen motivierten Mitstreiter, der versucht, jede Aufgabe mit dir zu meistern.

Dazu ist es notwendig, dass du dich aktiv mit deinen Erwartungen an dein Pferd auseinandersetzt.

Überlege dir, warum du ein bestimmtest Ziel erreichen möchtest und welches Bedürfnis für dich wirklich dahinter steckt.

Sei ehrlich zu dir selbst und und mache dir klar, was dein Pferd eigentlich reell leisten kann und wann du zuviel forderst.

Wähle die Anforderungen so, dass dein Pferd sich zwar anstrengen muss, das Ziel aber klar gesteckt und realistisch zu erreichen ist und erkenne die Leistung deines Pferdes immer an.

Passe die Aufgaben für dein Pferd auch an eure Tagesform an.

Weitere Tipps, wie du dein Pferd durch Lob motivierst findest du hier.

 

Hast du manchmal auch zu hohe Erwartungen an dein Pferd oder an dich?

Wie schaffst du es, dich von diesen Erwartungen zu lösen und dich auf das Training mit deinem Pferd zu konzentrieren?

Teile deine Tipps in den Kommentaren!

 

Genieße die Zusammenarbeit mit deinem Pferd

Corinna1

 
Bildquelle: Pixabay

 

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