Pferd flehmt

Weiter geht´s in meiner kleinen Serie über die Grundlagen der Pferdeanatomie. Nachdem wir uns in den ersten beiden Teilen ausgiebig mit dem Skelett und der Muskulatur beschäftigt haben, betrachten wir nun einmal wie dein Pferd seine Umwelt wahrnimmt.

Hier findest du nochmals die übrigen Infos zur Pferdeanatomie.

 

Die Sinnesorgane des Pferdes

 

Pferde verfügen genau wie wir Menschen auch über fünf Wahrnehmungskanäle zur Aufnahme von Außenreizen, nämlich Augen, Ohren,  Maul, Nase und Haut inklusive Tasthaaren.

Die Fähigkeiten deines Pferdes was das Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Fühlen angehen, unterscheiden sich jedoch teilweise stark von deinen eigenen.

Diese Tatsache spiegelt sich zum Beispiel in scheinbar grundlosem Scheuen deines Tiere oder bei Futterverweigerung wieder.

Um die Verhaltensweisen deines vierbeinigen Partners richtig zu deuten, schadet es also nicht, dir die Unterschiede in der Wahrnehmung von Reizen bei Mensch und Pferd immer wieder bewusst zu machen.

Der Sehsinn

 

Eines vorneweg: Dein Pferd sieht die Welt mit völlig anderen Augen als du.

Durch die Lage der Augen seitlich am Kopf verfügt es als Fluchttier nahezu über Rundumsicht. Lediglich direkt vor und hinter sich ist sein Sehfeld durch den eigenen Körper eingeschränkt.

So kann es einen sehr weiten Bereich überblicken, ohne den Kopf bewegen zu müssen.
Die Sehschärfe bei Equiden ist im Vergleich zum Menschen jedoch deutlich veringert.

Sie erkennen über größere Entfernungen nur schemenhafte Bewegungen.

Auch die Fähigkeit, dreidimensional zu sehen, ist sehr eingeschränkt.

Das liegt daran, dass  sich zum räumlichen Sehen die Sehbereiche beider Augen überlappen müssen.

Bei deinem Pferd trifft dies nur auf ein kleines Sichtfeld vor und leicht seitlich des Kopfes zu.

Um einen gewünschten Bereich scharf zu sehen, muss es also die Kopfhaltung verändern.

Bereich des räumlichen Sehens beim Pferd
Bereich des räumlichen Sehens beim Pferd

 

Auch beim Thema Farben Sehen bist du gegenüber deinem vierbeinigen Partner im Vorteil.

Dein Pferd erkennt im Gegensatz zu dir nicht das vollständige Farbsprektrum sondern nimmt Farben in etwa so wahr wie ein Mensch mit Rot-Grün-Schwäche.

Die Farbe Rot kann es nicht erkennen, Gelb-, Grün- und Blautöne werden aber in ihren unterschiedlichen Abstufungen aber gut wahrgenommen.

Die Farbwahrnehmung des Pferdes
Die Farbwahrnehmung des Pferdes

In der Dämmerung und im Dunkeln ist dein Pferd dir überlegen. Es sieht auch bei geringem Lichteinfall ins Auge deutlich besser als du.

Bei einem schnellen Wechsel von Hell und Dunkel braucht das Pferdeauge jedoch einige Zeit, um sich an die Veränderung anzupassen.

Der Hörsinn

 

Durch seine großen beweglichen trichterförmigen Ohren besitzt dein Pferd ein sehr gutes Hörvermögen.

Es ist in der Lage auch sehr leise Geräusche und sehr hohe Töne bis hin zu Ultraschall wahrnehmen und orten zu  können.

Durch Drehung der Ohren kann es eine Geräuschquelle auch in weiterer Entfernung ausfindig machen.

Das Gehör ist so gut, dass es dein Pferd sogar bei Dunkelheit leiten kann.

Das Hörvermögen deines Pferdes übertrifft dein eigenes also bei weitem, aber wie auch bei dir nimmt es mit zunehmendem Alter ab.

 

Der Geschmackssinn

 

Ähnlich wie wir Menschen kann auch dein Pferd die Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig und bitter unterschieden.

Mit seinem feinen Geschmackssinn ist es in der Lage genießbares von ungenießbarem Futter zu unterscheiden.

In der Regel hegen Pferde eine Abneigung gegen bittere Futtermittel und bevorzugen süße oder leicht salzige Nahrung.

Der Geruchsinn

 

Die Fähigkeiten der Pferde, Dinge am Geruch zu erkennen oder in weiter Entfernung zu wittern ist enorm ausgeprägt und überlebenswichtig.

Wo du nur extrem intensive und spezifische Düfte aus einem Geruchsgemisch wahrnehmen kannst, ist dein Pferd in der Lage, diese Gerüche quasi in ihre Bestandteile zu zerlegen, sie bestimmten Dingen zuzuordnen und auch zu orten.

Ermöglicht wird diese ausgeprägte Wahrnehmung durch die groß angelegten Nasenhöhlen mit ihren labyrinthartigen mit Riechschleimhaut überzogenen Verzweigungen.

Pferd flehmt
Flehmen, Quelle
Pixabay

Zusätzlich verfügen Pferde am Gaumen noch über das sogenannte Jacobsonsche Organ.

Beim Flehmen wird die Atemluft gegen dieses Organ gepresst, in dem dann eine besondere chemische Analyse der Duftmoleküle stattfindet.

Für dein Pferd ist der Geruch das wichtigste Erkennungs- und Einschätzungsmerkmal beispielsweise für Artgenossen, Bezugspersonen, Futterquellen oder Feinde.

 

Der Tastsinn

 

Berührungen und Luftbewegungen können Pferde fast am ganzen Körper spüren.

Verantwortlich dafür sind Rezeptoren, die auf geringste Druckveränderungen reagieren.

Sie sind über die gesamte Körperoberfläche verteilt und nehmen bereits feinste Berührungen, wie zum Beispiel eine Mücke wahr.

In empfindlichen Körperregionen wie Gurtlage oder Flanken treten diese Sinnenszellen vermehrt auf.

Spezielle lange abstehende Tastaare an Maul, Nüstern und Augen ermöglichen deinem Pferd das eigentliche Tasten.

Das es nicht sehen kann, was sich genau vor ihm befindet, nutzt es diese abstehenden borstigen Haare um sich ein Bild von Form und Beschaffenheit dieser Dinge zu machen, Abstände richtig einzuschätzen und eventuelle Hindernisse zu erkennen.

 

Fazit

 

Im Gegensatz zu uns Menschen, deren Wahrnehmung der Umwelt deutlich vom Sehsinn dominiert wird, nutzen unsere Pferde als Fluchttiere vielmehr all ihre Sinne, um sich in ihrer Umgebung zu orientieren und mit Menschen und Artgenossen in Kontakt zutreten.

Da sie auf diese Weise viel mehr Eindrücke von Ihrer Umgebung aufnehmen, als wir Menschen in der Lage sind zu erfassen, stellt sich ihnen eine bestimmte Situation oft ganz anders dar, als wir vermuten.

Dieser Umstand sollte uns im täglichen Umgang mit unseren Vierbeinern immer im Gedächtnis bleiben und ist meist auch die Erklärung für eine auf den ersten Blick unverständliche Reaktion unseres Pferdes.

 

Lesetipp: In dieser Broschüre gibt Sabine Ullmann einen tollen Einblick in das Sehen der Pferde und macht ihre Beschreibungen mit vielen Bildern verständlich.

 

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Welche Situationen hast du schon einmal völlig anders eingeschätzt als dein Pferd?

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Ich freue mich auch jederzeit über dein Feedback.

 

Eine schöne Woche und viel Spaß mit deinem Pferd

Corinna1

 

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