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Der Sitz – Das Becken als Bewegungszentrum

Das Becken als Bewegungszentrum des Reiters muss die Schwingung des Pferderückens elastisch auffangen

Das Becken – Verbindung zwischen Reiter und Pferd

 

Das korrekte Über-den-Rücken-Laufen eines Pferdes ist nichts anderes als eine Bewegungsübertragung von der Hinterhand über die Kruppe, den Rücken, den Hals und das Genick und wieder zurück.

Dabei schwingt der Pferderücken als Brücke zwischen Vor- und Hinterhand räumlich betrachtet sowohl in Richtung vor-zurück als auch links-rechts und oben-unten

Indem sich ein Reiter aufs Pferd setzt, nimmt er Einfluss auf diese Bewegungsübertragung und den Bewegungsablauf des Pferdes. Er kann entweder blockierend oder unterstützend einwirken.

Maßgeblich verantwortlich dafür, wie gut das Zusammenspiel von Reiter und Pferd funktioniert, ist der Reitersitz. Unabhängig von seiner Hand sollte der Reiter in der Lage sein, sich harmonisch in die Bewegung seines Pferdes einzufühlen und in dieser Bewegung mitgehen, ohne den Kontakt zum Pferderücken zu verlieren oder die Schwingung des Rückens zu blockieren.

Der entscheidende „Sitz“- Kontakt zwischen Pferd und Reiter wird über das Becken des Menschen hergestellt. Es fungiert als Bewegungsumwandler und fängt die dreidimensionale Bewegung des Pferderückens auf, sodass der Reiter elastisch auf dem Pferderücken sitzen kann ohne durch die Pferdebewegung aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden.

 

Was ist das Becken?

 

Das Becken besteht aus mehreren ringförmig miteinander verwachsenen Knochen. Besonders wichtig für den Reiter und auch gut tastbar sind davon die Sitzbeine und die Hüftknochen.

Zweck des Beckens ist unter anderem, eine gelenkige Verbindung zwischen Wirbelsäule und den unteren Extremitäten herzustellen und das von der Wirbelsäule getragene Körpergewicht auf die beiden Oberschenkelknochen gleichmäßig zu verteilen. Dies geschieht über die Hüftgelenke.

Das Becken ist über das Iliosakralgelenk (ISG, auch Kreuz-Darmbein-Gelenk) mit dem Kreuzbein der Wirbelsäule verbunden. Da das ISG kaum beweglich, sondern eine bandhafte feste Verbindungen ist, kann das Becken aktiv nur bewegt werden, wenn die Lendenwirbelsäule agiert.

Die Bewegung von Lende und Becken findet über verschiedene Muskeln statt. Im Rücken sorgen kleine Muskeln direkt an den Gelenken der Lendenwirbelsäule für die Streckung, im Körper sorgen tiefe Muskeln für die Beugung der Lendenwirbelsäule und auch die Bauchmuskeln sind erheblich an der Bewegung der Lendenwirbelsäule und somit der Stellung des Beckens beteiligt.

Auch der lange Rückenmuskel, der sich entlang der gesamten Wirbelsäule erstreckt, hat Einfluss auf die Beckenstellung. Wird er angespannt, richtet sich der Mensch gerade und steif auf, die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule und damit des Beckens wird blockiert. Um das Becken und die Lendenwirbelsäule bewegen zu können, muss also der lange Rückenmuskel entspannen.

Mögliche Bewegungsrichtungen für das Becken sind:

  • beidseitig nach vorne kippen (Das maximale Abkippen des Beckens nach vorne verdeutlicht sich in einem Hohlkreuz.)
  • beidseitig nach hinten kippen (Das maximale Abkippen des Beckens nach hinten verdeutlicht sich in einem Rundrücken.)
  • linksseitig nach vorne kippen (Die rechte Beckenhälfte kippt automatisch nach hinten.)
  • linksseitig nach unten absenken (Die rechte Beckenhälfte hebt sich automatisch.)
  • rechtsseitig nach vorne kippen (Die linke Beckenhälfte kippt automatisch nach hinten.)
  • rechtsseitig nach unten absenken (Die linke Beckenhälfte hebt sich automatisch.)

 

So bewegt sich das Becken in den Grundgangarten

 

Grundsätzlich gilt: Der Pferderücken schwingt wechselseitig nach oben und unten. In dem Moment, in dem des Hinterbein nach vorne geführt wird, senkt sich der Rücken auf dieser Körperseite. In dem Moment, in dem das Pferd sich mit einem Hinterbein vom Boden abdrückt, hebt sich der Rücken.

Das Becken muss also einseitig Kippbewegungen nach vorne und hinten, sowie nach oben und unten ausführen.

Je nach Gangart des Pferdes variiert die Bewegunsanforderung, die an das Reiterbecken gestellt wird aber etwas.

Der Schritt weist die deutlichste Dreidimensionalität der Rückenbewegung auf. Bei dieser Bewegung im Viertakt senkt sich der bei Vorfußen des jeweiligen Hinterbeins der Rücken einseitig bevor er sich bei Abfußen dieses Hinterbeins wieder hebt.

Das Reiterbecken wird also im Viertakt wechselseitig einseitig gesenkt und gleichzeitig auf der anderen Seite angehoben.

Zusätzlich ist beim Schritt eine deutliche schlangenförmige Bewegung der Pferdewirbelsäule zu beobachten, welche dem Becken des Reiters zusätzlich eine gute Rechts-Links-Beweglichkeit abverlangt.

Im Trab hebt und senkt sich der Pferderücken bedingt durch die diagonale Fußfolge links- und rechtsseitig im schnellen Wechsel des Zweitakts. Das Becken des Reiters wird also im Wechsel links- und rechtsseitig angehoben bzw. abgesenkt.

Im Galopp ist die Bewegung des Beckens zunächst einmal abhängig davon, ob es sich um Rechts- oder Linksgalopp handelt.

Der Pferderücken hebt und senkt sich nun nicht mehr wechselseitig sondern von vorne nach hinten, wobei das Reiterbecken auf der Körperseite, bei der Vor- und Hinterbein weiter vorschwingen, auch vermehrt in die Bewegung mitgenommen wird.

 

Ursachen für ein festes Becken

 

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass eine Verspannung im Körper sich immer negativ auf die gesamte Beweglichkeit auswirkt. Deshalb können die Ursachen für die Unbeweglichkeit im Becken sehr vielfältig sein.

Tritt die Unbeweglichkeit nur beim Reiten auf, spielen folgende Faktoren oft eine Rolle:

  • Angst
  • krampfhafte Körperhaltung um den „korrekten Sitz“ zu erlangen
  • falsches Treiben
  • mit den Knien und Beinen festklammern
  • zu lange Steigbügel
  • ungeeigneter Sattel
  • Sitzen im Hohlkreuz

Oft sind die Ursachen für die Unbeweglichkeit aber auch schon im Alltag zu finden:

  • langes Sitzen
  • zu wenig Bewegung
  • schlechte Grundkondition
  • fehlende (Bauch-) Muskulatur
  • Stress
  • orthopädische Besonderheiten

 

Mehr Elastizität im Becken für einen guten Sitz

 

Leider kann man den elastischen Sitz nicht einfach „einschalten“ sondern muss ihn sich antrainieren und immer wieder üben. Das gute dabei ist: Jeder kann es lernen.

Meine Empfehlungen dazu sind:

  • Integriere in deinen Alltag möglichst viel Bewegung und auch unterschiedliche Bewegungsmuster, denn generell gilt: Je besser deine Grundkondition und deine muskuläre Verfassung sind, desto besser sind auch deine Voraussetzungen für einen Guten Sitz. (Bei körperlichen Beschwerden oder starken Verspannungen kann ein Besuch beim Physiotherapeuten dir helfen, eine gesunde Grundhaltung deines Körpers wiederherzustellen.)
  • Setze dich nicht direkt auf dein Pferd, wenn du zu sehr verspannt bis. Unternimm zuerst etwas mit ihm, das dich selbst auch wieder etwas lockerer werden lässt.
  • Atme beim Reiten immer wieder bewusst und tief in den Bauch. Diese Atmung führt dazu, das sich der Ganze Körper entspannt und sich somit auch das Becken lockert.
  • Probiere auf dem Pferd bewusst verschiedene Sitzpositionen und Körperhaltungen aus und erfühle dabei, wie gut du jeweils in der Pferdebewegung mitgehen kannst und wie dein Becken von der Haltung beeinflusst wird. Lehne dich zurück, mache ein Hohlkreuz oder einen Buckel, variiere die Lage der Schenkel, belaste eine Körperhälfte mehr oder weniger usw.. Auch die Ausrüstung kannst du zwischendurch leicht verändern. Tipp: Lasse das Pferd dabei von jemand anderem führen oder longieren. So kannst du dich in Ruhe auf dein Gefühl konzentrieren und dich auch in allen Gangarten ausprobieren.
  • Lass dich von deinem Pferd passiv tragen (eventuell auch ohne Sattel) und konzentriere dich darauf, die Bewegung des Pferderückens zu spüren. Fühle, wie dein Körper und dein Becken durch das Pferd bewegt werden und bekomme ein Gefühl für den Bewegungsablauf des Pferdes. Im Schritt sollten deine Beckenenden gefühlt eine gleichmäßige liegende Acht beschreiben.
  • Mache in regelmäßigen Abständen Sitzübungen an der Longe. Sie führen zu mehr Routine in der Bewegung und helfen dabei, Ängste und falsche Bewegungsmuster zu bewältigen.
  • Stelle dir eine kleine Sammlung an individuellen Übungen zusammen, die dein Körpergefühl und deine Beweglichkeit verbessern. Dabei ist nicht nur das vielbeschworene Yoga sinnvoll. Auch etwas Gymnastik oder Übungen zum Muskelaufbau können sinnvoll sein. Führe diese Übungen regelmäßig durch und du wirst schnell eine Verbesserung feststellen. Bist du sogar auf der Suche nach einem Ausgleichssport können Tanzen, Radfahren, Laufen und alle anderen Sportarten sinnvoll sein, die Kondition, Körpergefühl, Muskulatur und Koordination schulen.

 

Lesetipps

Bei Wege zum Pferd gibt es zum Mitschwingen im Pferd hier und hier tolle Übungen.

Auch die Pferdefreunde haben noch einige Tipps für einen guten Sitz und eine geschmeidige Mittelpositur parat.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren

Corinna1

 

Was tust du für einen guten Sitz und ein elastisches Becken? Teile deine Tipps in den Kommentaren!

 

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