Über den Rücken reiten

 

Ein weit verbreiteter Irrtum

Obwohl sie so einladend danach aussehen und Pferde seit Jahrhunderten als Reittiere genutzt werden:

Der Pferderücken ist anatomisch nicht dazu geschaffen, Lasten zu tragen.

 

Anders als oft angenommen, ist es nämlich nicht Aufgabe der Rückenmuskulatur, das Reitergewicht zu stemmen.

Obwohl neben dem Trapezmuskel insbesondere der lange Rückenmuskel zu den Indikatoren für ein gut gerittenes Pferd zählt, ist genau dieser Muskel gar kein Tragemuskel sondern unterstützt die Fortbewegung.

Diese Aufgabe wird ihm aufgrund seiner Lage im Pferdekörper zuteil.

Der lange Rückenmuskel verläuft vom Kreuzbein beidseitig entlang der Wirbelsäule in Richtung Kopf und überträgt durch wechselseitiges Kontrahieren und Entspannen die Bewegungsimpulse aus der Hinterhand auf den Pferdekörper.

So dient er als Bindeglied zwischen Vor – und Hinterhand.

Da ein Muskel nur in Richtung seines Verlaufes im Körper arbeiten und Kraft aufwenden kann, vermag der lange Rückenmuskel, der nahezu waagerecht verläuft, nicht, das senkrecht auf ihn einwirkende Reitergewicht zu tragen.

Zwar kann das Pferd unter Belastung des Rückens den langen Rückenmuskel anspannen, um in der Bewegung das Reitergewicht zu stabilisieren.

Allerdings führt dies zu einem nach unten Wegdrücken des Rückens.

Die Wirbelsäule wird nach unten durchgedrückt und in dieser Position festgehalten.

Pferd drückt den Rücken nach unten weg
Falsche Haltung: Dieses Pony drückt seinen Rücken nach unten durch, um das Reitergewicht zu tragen.
Quelle:Pixabay

 

Diese Fehlhaltung führt auf Dauer zu einer Muskelverspannung

Außerdem leidet auch das Gangbild entschieden, denn die schwingende Verbindung von Vor- und Hinterhand ist blockiert.

Im Hinblick auf Spätfolgen kommt es zunächst zum Rückgang der Rückenmuskulatur, da diese durch die dauerhafte Anspannung nicht ausreichend durchblutet wird, übersäuert und sich schließlich zurückbildet.

Wird das Pferd über lange Zeit in Fehlhaltung geritten, können auch Knochen- und Gelenkschäden, sowie Schäden an der Wirbelsäule auftreten.

 

Lesetip: Hier erklärt Sonja von Pferdewissen.ch mit Hilfe von Beispielbildern sehr anschaulich, was im Körper eines Pferdes geschieht, wenn es nicht in der Lage ist, das Reitergewicht korrekt zu tragen.

Die Lösung für dieses Dilemma: Dein Pferd über den Rücken reiten

 

Was es bedeutet, ein Pferd über den Rücken zu reiten:

Das Skelett deines Pferdes ist ähnlich konstruiert wie eine Hängebrücke. Als stabile Pfeiler dienen die Vorder- und Hinterbeine, die eigentliche Brücke bildet die bewegliche Wirbelsäule.

Damit die Wirbelsäule sich in der Mitte nicht unter dem Gewicht des Brustkorbes nach unten durchbiegt, wird sie von der sogenannten oberen Verspannung in Form gehalten.

Diese besteht aus dem starken sehnigen Nacken- und Rückenband, welches  die Dornfortzsätze der einzelnen Wirbel an der Oberseite überspannt und vom Hinterkopf bis zum Schweif deines Pferdes reicht.

Zusätzlich wird die Haltung der Wirbelsäule durch eine Vielzahl von Muskeln, die von den Dornfortsätzen des Rückens zu den Halswirbeln oder zum Hinterhaupt des Pferdes führen, bestimmt.

Senkt dein Pferd den Kopf und streckt den Hals, entsteht über die Spannung des Nackenbandes und der umliegenden Muskulatur eine Zugwirkung nach vorne auf die Dornfortsätze der einzelnen Brustwirbel.

Diese stellen sich fächerartig auf und der vordere Rücken wölbt sich auf.

Das Aufwölben der Lendenwirbelsäule wird durch das Abkippen des Beckens im Kreuz-Darmbein-Gelenk erreicht.

Je weiter dein Pferd mit der Hinterhand unter seinen Schwerpunkt fußt, desto stärker muss das Becken abkippen und die Lendewirbelsäule hebt sich nach oben.

Läuft dein Pferd also mit aktiv unter den Schwerpunkt fußender Hinterhand in einer entspannten vorwärts-abwärts-Haltung des Halses, so kann sich die Wirbelsäule aufwölben und in einer gleichmäßigen Schwungbewegung das Reitergewicht tragen.

Dann kann auch der lange Rückenmuskel seiner eigentlichen Arbeit nachgehen und die Impulse der Hinterhand auf den Pferdekörper übertragen.

 

Das Ziel: dein Pferd soll lernen sich selbst und damit auch dich zu tragen

 

Ist dein Pferd noch jung oder untrainiert, hebt es seinen Rücken vor allem in der Dehnungshaltung mit Hilfe der oberen Verspannung.

Schreitet dein Pferd mit der Zeit in seiner Ausbildung weiter fort, wird seine Muskulatur stärker und die obere Halsmuskulatur sowie die Kruppen- und Bauchmuskulatur bilden sich aus.

Diese Muskelgruppen unterstützen die Arbeit des Nacken- und Rückenbandes und ermöglichen das Aufwölben des Rückens später auch in der relativen Aufrichtung.

 

Dieses Pferd wölbt den Rücken auf, indem es einerseits die Halsmuskulatur nutzt und andererseits mit abkippendem Becken weit unterfußt.
Dieses Pferd wölbt den Rücken auf, indem einerseits die Halsmuskulatur nutzt und andererseits mit abkippendem Becken weit unterfußt.

 

Diese wird erreicht, wenn das Pferd durch entsprechendes Training in der Lage ist, mit Hilfe der oberen Halsmuskulatur, die an Hals- und Brustwirbelsäule ansetzt, den vorderen Teil der Wirbelsäule aufzuwölben während die Hinterhand weit unter den Schwerpunkt fußt.

Nun kann man sagen, das Pferd trägt sich selbst und ist damit auch in der Lage, dein Reitergewicht unbeschadet zu stemmen.

 

Lesetipp: Hier zeigt Tania vom Blog Wege zum Pferd an einigen Beispielbildern, woran man erkennt, ob ein Pferd über den Rücken läuft.

 

Fazit

 

Dein Pferd weiß nicht von Natur aus, wie es mit dem Reitergewicht am angenehmsten und schonendsten umgehen kann.

Aus diesem Grund solltest du dein Pferd unterstützen und es durch eine gute Ausbildung in die Lage versetzten, dich mühelos und ohne in seiner Bewegung eingeschränkt zu sein, tragen zu können.

Dabei darf die Rückenmuskulatur in ihrer Arbeit nicht gestört werden.

Höchste Priorität hat in diesem Zusammenhang, dass du dein Pferd über den Rücken reitest, denn je eher dein Pferd geeignete Bewegungsabläufe beim Reiten verinnerlicht, desto geringer ist die Gefahr der Fehlbelastungen für Knochen, Gelenke Muskeln und Sehnen durch falsche Körperhaltung.

Wie du es schaffst, dein Pferd über den Rücken zu reiten, erkläre ich dir hier.

 

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Eine schöne Woche und viel Spaß mit deinem Pferd!

Corinna1

 
Bildquelle: Pixabay

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