Training

Endlich ein eigenes Pferd! – Meine größten Anfängerfehler

Als Pferdebesitzer sollte man immer bereit sein, dazuzulernen und Dinge zu überdenken.

„Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.“

– Winston Churchill –

 

Vor ungefähr 11 Jahren unterschrieb ich den Kaufvertrag für Sunny und mein lange gehegter  Wunsch wurde wahr: Ich war endlich Pferdebesitzerin.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich jedoch noch nicht, dass ich auf eine teure Zeit mit vielen Irrtümern und Fehlentscheidungen zusteuerte.

Weil man aber nicht jeden Fehler selbst begehen muss, um etwas daraus zu lernen, lasse ich dich gerne an meinen Erfahrungen teilzuhaben und erzähle dir heute von meinen größten Irrwegen, die ich im ersten Jahr mit Sunny beschritten habe.

Vorweg möchte ich dich aber bitten, mich nicht vorschnell zu verurteilen sondern mir zu Gute zu halten, dass ich mich damals „nach bestem Wissen“ für die Dinge entschieden habe.

Leider wusste ich zu dieser Zeit noch nicht, dass die Menschen, die ich um Rat fragte, eigentlich keine geeigneten Ansprechpartner waren und mir deshalb auch keine guten Tipps gaben.

Auch die Auswahl an Blogs, Videos und anderem Infomaterial war mehr als begrenzt und so beschränkte sich meine Sichtweise auf die in vielen Reitschulen gängigen Ansichten zu Pferdehaltung und -ausbildung.

So hatte es Sunny im ersten Jahr nicht immer leicht mit mir und musste unter meinem Unwissen leiden. Hier findest du die 3 größten Fehler:

 

Fehler Nr. 1: Dinge unkritisch hinnehmen ohne sie zu hinterfragen

 

Die erste Fehlentscheidung war zugleich auch die schwerwiegendste. Ich entschied ich mich, mein Pferd im selben Stall unterzubringen, indem ich mich zuvor mehrere Jahre um meine Pflegepferde gekümmert hatte. Dort kannte ich bereits die Reitlehrerin, hatte einige Freundinnen und war mit den Abläufen und der Umgebung vertraut.

An und für sich ist es natürlich nicht falsch, sich für eine bekannte Stallalternative zu entscheiden, wenn diese für Pferd und Besitzer geeignet ist.

Ich versäumte aber leider, mich in anderen Ställen umzusehen, neue Trainer kennenzulernen oder einmal das praktizierte Reit- und Haltungssystem in Frage zu stellen.

 

Fehler Nr. 2: Schlechten Vorbildern und Reitlehrern / Trainern folgen

 

Da ich nur diesen Stall und eine noch schlechtere Alternative kannte, merkte ich auch nicht, dass meine Vorbilder und Ansprechpartner eigentlich völlig ungeeignet waren, mir Tipps und Hilfestellung zu bieten.

Ohne mir Gedanken über die Hintergründe und die Folgen für mein Pferd zu machen, übernahm ich Anweisungen aus dem Reitunterricht und Tipps von den anderen Pferdebesitzern, weil „man das halt so macht“, weil es gut gemeint war oder weil es bei anderen augenscheinlich zum Erfolg führte (jedenfalls kurzfristig).

 

Fehler Nr. 3: Mangelndes Fachwissen

 

Bereits in den ersten Wochen musste ich feststellen, dass mein Wissen und meine Fähigkeiten aus Reitunterricht und einigen wenigen Büchern bei weitem nicht ausreichten, um mein junges Pferd ordentlich zu reiten und weiter auszubilden. Zwar suchte ich schnellstmöglich Hilfe bei der damaligen Reitlehrerin und den anderen Einstellern, allerdings war ich mangels Fachwissen und Erfahrung nicht in der Lage, einzuschätzen ob diese Hilfe mich auf lange Sicht weiterbringen würde.

 

Die Konsequenzen

 

Dieses fehlende Hinterfragen von Dingen in Verbindung mit meinem nur dürftig vorhandenen Fachwissen und schlechten Vorbildern führte mich im ersten Jahr mit Sunny treffsicher von einem Problem zum nächsten.

Hier als kleine Auswahl meine Top-Five der größten Dummheiten:

 

1. Die Haltung: Einzelhaft

 

Ein wichtiger Punkt über den ich in der ersten Zeit mit meinem Pferd leider nicht weiter nachgedacht hatte, war die Unterbringung. Weil ich es nicht anders kannte, entschied ich mich dafür, Sunny in einer Box auf der mir bekannten Reitanlage einzustallen.

Ein großer Vorteil war, dass ich so nicht nur einen Reitplatz sondern auch eine Halle nutzen konnte und im Herbst und Winter trockenen Fußes mit meinem Pferd arbeiten konnte.

Der Nachteil war, dass ich genau genommen kaum Einfluss darauf hatte, wie mein Pferd den Tag verbringt.

Es kam, wie es kommen musste: Die Koppelsaison wurde Ende Oktober beendet und somit wurde allen Pferden im Stall bis Ende April die Möglichkeit genommen, sich an der frischen Luft zu entspannen und frei zu bewegen. Es blieb lediglich die Möglichkeit, die Reithalle zum Laufenlassen zu nutzen, was aufgrund des Betriebes aber nur selten möglich war.

Der Tagesablauf meines Pferdes hatte also folgende Highlights zu bieten: Morgens und Abends Fütterung mit Heu, dreimal am Tag Kraftfutter und ungefähr 2 Stunden Bespaßung mit mir.

Natürlich wuchs die Unzufriedenheit meines Pferdes mit jedem Tag in Einzelhaft an. Er wurde hibbelig und unruhig und sein Bewegungsdrang stieg von Tag zu Tag.  Es zeigten sich auch immer wieder gesundheitliche Auswirkungen wie angelaufene Beine, einige Koliken und Husten.

 

2. Feste Futterzeiten für einen Dauerfresser

 

Wie leider immernoch in vielen Ställen üblich, gab es auch für mein Pferd feste Zeiten, zu denen Heu gefüttert wurde. So bekam Sunny jeweils morgens und Abends eine vorgelegte Portion Heu mit der er sich begnügen musste.

Da Nachfüttern aus Kostengründen verboten war, lies es darauf hinaus das Sunny in ca. 2 Stunden sein ganzes Heu verputzt hatte und dann umso gieriger auf die nächste Futtergabe wartete, weil er schlichtweg voll im Wachstum war und ständig Hunger hatte.

Vor allem im Winter endete es häufig damit, dass er sich dann den übrigen Inhalt seiner Box, sprich beinahe die komplette Einstreu, einverleibte und er mehrmals wegen starker Verstopfungskoliken behandelt werden musste.

Außerdem war Sunny für seinen extrem ausgeprägten Futterneid im ganzen Stall berüchtigt.

 

3. Ungeeignete Ausrüstung

 

Heute sind sie von vielen Herstellern mit unterschiedlichen Systemen erhältlich, vor 11 Jahren waren sie eine sehr beliebte Neuheit: Die nach dem Baukastenprinzip selbstanpassbaren Sättel der bekannten Marke mit W.

Mir erschien das System mit der veränderbaren Kammerweite sehr sinnvoll und ich dachte, ich könnte den Sattel für Sunny, der sich mit dreieinhalb Jahren noch voll in der Wachstumsphase befand, immer wieder selbst anpassen.

Da sich auch andere Reiter in unserem Stall für diesen Sattel ausgesprochen hatten, entschied ich mich zum Kauf.

Was dann passierte: Natürlich hatte ich weder das Augenmaß noch die nötige Erfahrung, um zu erkennen, ob und wann der Sattel korrekt aufliegt und passt.

Es kam wie es kommen musste: Die Muskulatur bildete sich zurück, Sunnys Rücken begann zu schmerzen und er wollte nicht mehr geritten werden.

Das Ende vom Lied: Es musste ein anderer Sattel her, doch bevor dieser ausgesucht werden konnte, musste die Rückenmuskulatur erst durch Longenarbeit wieder aufgebaut werden.

Nachdem ich also mit meiner ungeeigneten Sattelauswahl erfolgreich die Rückenmuskulatur meines Pferdes ruiniert hatte und diese nun mit Longenarbeit wieder aufbauen wollte, steuerte ich leider zielsicher den nächsten Irrtum an.

 

4. Hilfsmittel

 

Ich hatte zwar ein ungefähres Bild davon vor Augen, wie sich das Pferd an der Longe bewegen sollte, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich es dazu bringen konnte.

Da es aber im Stall Gang und Gäbe war, Pferde ausgebunden im Kreis laufen zu lassen und das als losgelassene Arbeit an der Longe zu bezeichnen (also genau das, was mein Pferd eigentlich tun sollte), holte ich mir von meinen „erfahrenen“ Stallkolleginnen Tipps zum Thema Ausbinden.

Leider waren auch ihnen Dinge wie ein Kappzaum, Doppellonge oder Bodenarbeit gänzlich unbekannt.

Ich probierte mehrere von ihnen vorgeschlagene Alternativen wie Longiergurt mit Ausbindern oder Dreieckszügel aus, bis ich mich schließlich für die damals sehr beliebte und bei jedem Reitsportversandhaus erhältliche, „leichte, mit weichen Baumwollstoff ummantelte, reißfeste“  Longierhilfe entschied.

Dabei handelt es sich um nichts weiter als ein reißfestes Seil an dessen Enden je ein Karabinerhaken angebracht ist. Es wird über den Pferderücken gelegt, zwischen den Vorderbeinen hindurchgeführt und in den Trensenringen eingehakt.

Leider war ich mir bei der Anwendung über den Effekt dieser Art des Ausbindens nicht klar, und ich erzog mein Pferd durch die Anwendung Stück für Stück dazu, nicht mehr an das Gebiss heranzutreten, den Hals einzurollen, die Hinterhand nicht mehr unter den Schwehrpunkt zu setzen und das fleißige Vorwärtsgehen zu unterbinden.

 

5. Die sichere Umgebung

 

„Mit einem jungen Pferd sollte man äußerst vor- und umsichtig sein und zu anfang in gewohnter Umgebung üben und trainieren.“

Grundsätzlich stimme ich dieser Ansicht zu, allerdings sollte man aber bestrebt sein, den Bereich der gewohnten Umgebung des Pferdes stetig auszuweiten und Stück für Stück auch neues Terrain zu erkunden.

Leider waren meine Stallkolleginnen und auch die Trainerin nicht dieser Ansicht und so beschränkte sich die gewohnte Umgebung meines Pferdes im ersten Jahr auf die Stallgasse, die Reithalle und den Weg zur Koppel.

Obwohl Sunny weder ängstlich noch unruhig war, unterließ ich selbst kleinere Spaziergänge oder das Arbeiten auf dem großen Außenplatz und wartete darauf, dass mein Pferd endlich so verlässlich werden würde, dass jemand mit einem erfahreneren Pferd mich begleiten könnte.

Leider übersah ich zu diesem Zeitpunkt jedoch, dass auch die erfahrenen Pferde nur „Hallenerfahrung“ vorzuweisen hatten und sich meine Stallkolleginnen tatsächlich nie in „freier Wildbahn“ mit ihren Tieren bewegten.

Auf den ersten Ausritt wartete ich in diesem Stall tatsächlich vergebens.

 

 

Fazit:

 

„Das erste Pferd leidet immer am meisten.“

-Bent-Branderup-

 

Gerade im ersten Jahr musste Sunny immer wieder unter meinem Unwissen leiden.

Viele Entscheidungen, die ich damals traf, waren im nachhinein betrachtet nicht pferdegerecht und haben Sunnny und mich immer wieder um einiges zurückgeworfen.

Natürlich ist mir heute und auch schon seit vielen Jahren klar, was ich alles hätte anders machen müssen, aber alle diese Irrwege sorgten dafür, dass ich mir viele Gedanken darum machte, was gutes Reiten und eine pferdegerechte Haltung und Ausbildung für mich bedeuten und dass ich nach langer Suche schließlich kompetente Unterstützung fand, die mir nachhaltig weitergeholfen hat.

 

Deshalb empfehle ich dir:

 

  • Hör auf dein Bauchgefühl. Sei ehrlich zu dir selbst und hinterfrage immer wieder, ob ihr beide, dein Pferd und du, auf dem richtigen Weg seid!
  • Finde einen kompetenten Ansprechpartner, der dir weiterhelfen oder geeignet Hilfe vermitteln kann!
  • Entwickle dich weiter! Nimm Unterricht, lies Bücher oder schau dir Videos an!
  • Schau über den Tellerand hinaus! Auch wenn du dich einer bestimmten Disziplin verschrieben hast, lohnt es sich immer, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten um neue Ideen für das eigene Arbeiten mit dem Pferd zu finden. Probiere neue Wege aus und kombiniere so, wie es für dein Pferd und dich passt!
  • Such dir ein Vorbild und überlege dir, wie dieses Vorbild in deiner Situation handeln würde!
  • Hab keine Angst davor, Fehler zu machen aber lerne aus ihnen. Wenn du dich mit deinem Pferd befasst, werden dir unweigerlich immer wieder Fehler unterlaufen. Nutze diese Rückschläge, um dir zu überlegen und zu lernen, was du besser machen kannst!
  • Hab Geduld mit dir selbst und mit deinem Pferd!

 

Hast auch du schon falsche Entscheidungen für dein Pferd getroffen? Was hast du daraus gelernt? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!

 

Ich wünsche Dir eine schöne Woche

Corinna1

 

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