Halbe Parade – Das Zusammenspiel der Hilfen

Der Begriff „Halbe Parade“ fällt in jeder Reitstunde mehr als einmal. Als „Allzweckwerkzeug“ dient sie jeder anderen Lektion als Vorbereitung und hat, richtig geritten, einen positiven Effekt auf die Rittigkeit des Pferdes. Leider wird aber oft eine anschauliche Erklärung für dieses komplexe Zusammenspiel der Hilfen vergessen. Deshalb möchte ich dir heute kurz erklären, was man unter einer halben Parade versteht und wie sie geritten wird.

 

Was ist eine halbe Parade?

 

Die halbe Parade ist ein wesentliches Element der Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Sie wird durch Zusammenwirkung der Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen veranlasst.

Ziel ist, das Pferd dazu zu bringen, mit den Hinterbeinen vermehrt unter seinen Schwerpunkt zu treten und die Hanken zu beugen, um im Gleichgewicht zu bleiben und auf neue Anforderungen reagieren zu können.

 

Wozu dient die halbe Parade?

 

Halbe Paraden solltest du in jeder Trainingseinheit so oft wie möglich (also tatsächlich hunderte Male) einbinden, denn sie erhalten Aufmerksamkeit und Bewegungsablauf deines Pferdes und  ermöglichen den geschmeidigen Wechsel zwischen den unterschiedlichen Anforderungen an dein Pferd. Sie dienen dazu,

  • alle Übungen und Lektionen vorzubereiten
  • Übergänge von einer Gangart in eine andere zu reiten
  • Übergänge innnerhalb einer Gangart (Tempounterschiede) zu reiten
  • Haltung und Gangmaß deines Pferdes zu regulieren
  • die Anlehnung zu erhalten und zu verbessern
  • Versammlung und Selbsthaltung zu verbessern und zu erhalten

Du kannst dir das ganze in etwa so vorstellen, als wolltest du deinem Pferd mit jeder halben Parade mitteilen „Achtung, pass auf, jetzt kommt etwas Neues!“

 

Was bewirkt eine halbe Parade?

 

Eine einzige halbe Parade bewirkt ein momentanes Heranschließen der Hinterhand deines Pferdes.

Auf die Dauer der Pferdeausbildung betrachtet führen die immer wieder ausgeführten halben Paraden dazu, dass dein Pferd lernt, sich zu schließen und mit der Hinterhand immer besser unter seinen Schwerpunkt zu fußen. Dadurch wird im Laufe der Zeit die Bereitschaft und Fähigkeit deines Pferdes zur Lastaufnahme mit der Hinterhand und die Hankenbeugung (Beugung der großen Gelenke der Hinterhand: Hüft-, Knie- und Sprunggelenk) deutlich verbessert. So lernt dein Pferd sich selbst zu tragen und mit aktiver Hinterhand, schwingendem Rücken und leichtem Genick durchlässig auf deine Anforderungen zu reagieren.

Ein weiterer positiver Effekt der halben Paraden ist, dass dein Pferd lernt, dir zuzuhören. Dadurch, dass du immer wieder über die Hilfen Kontakt zu ihm aufnimmst, veranlasst du dein Pferd zu mehr Aufmerksamkeit dir gegenüber und es wird schnell wissen, dass auf die halbe Parade etwas Neues folgt.

 

Wie reite ich eine halbe Parade?

 

Laut Lehrbuch bezeichnet die halbe Parade das kurzzeitige Einschließen des Pferdes zwischen Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen des Reiters. Für einen Moment wird das Pferd durch die treibenden Schenkel- und Gewichtshilfen bei aushaltender oder leicht annehmender Zügelhilfe so an die Reiterhand herangetrieben, dass es mit einem aktiven Fußen der Hinterhand in Richtung Schwerpunkt reagiert. Unmittelbar danach muss eine nachgebende Zügelhilfe folgen.

Im Klartext bedeutet das: Du treibst die Hinterhand deines Pferdes aus deinem Becken heraus und mit deinen Unterschenkeln vorwärts, und fängst den treibenden Impuls vorwiegend mit der äußeren Hand weich ab während die innere Hand leicht vibrierend mit minimaler Innenstellung das Genick locker hält. So leitest Du den Vorwärtsimpuls vom Genick zur Hinterhand zurück, die sich dadurch mehr beugt und mehr Last aufnimmt. Nach dem kurzen Abfangen wirst Du mit beiden Händen wieder leicht und gibst nach.

Besonders wichtig für die Ausführung ist, dass du nicht mit der Hand zum Ziehen am Zügel kommst oder dein Pferd mit deinen Hilfen einquetschst wie in einem Schraubstock.

Eine halbe Parade wird immer punktuell geritten und von einer nachgebenden Zügelhilfe gefolgt. Erzielt sie nicht die gewünschte Wirkung ist es jedoch kein Problem, die halbe Parade mehrmals hintereinander zu wiederholen, bis das Pferd eine entsprechende Reaktion zeigt.

 

 Ein Praxistipp von Eckart Meyners

 

Bei der Frage, wie die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann, hilft uns Eckart Meyners mit einem ebenso einfachen wie gut durchführbaren Tipp:

Eine halbe Parade ist nämlich eigentlich nichts anderes als das Einziehen des Bauchnabels.

Sitzt du als Reiter aufrecht auf deinem Pferd und ziehst mit Hilfe deiner Bauchmuskulatur den Bauchnabel ein, kippt dein Becken automatisch nach hinten, wodurch die Sitzbeinhöcker intensiver in den Sattel drücken (Gewichtshilfe). Gleichzeitig spannt sich durch das Abkippen deines Beckens deine hintere Oberschenkelmuskulatur leicht an, sodass die Unterschenkel mit den Waden ans Pferd gelangen (treibende Hilfe). Zusätzlich bewegt sich dein Oberkörper inklusive deiner Hand etwas nach hinten, sodass durch diese leichte Rückwärtsbewegung eine weich annehmende Zügelhilfe entsteht.

Gibst du das Einziehen des Bauchnabels auf, bewegt sich dein Becken wieder in die ursprüngliche Position, hintere Oberschenkelmuskulatur und Waden entspannen und die Hände bewegen sich Richtung Pferdemaul (nachgebende Hand).

Das Bauchnabel Einziehen ist also die Bewegung die von dir aktiv ausgeführt werden muss, um eine halbe Parade zu reiten. Die übrigen Hilfen folgen automatisch. Dabei musst du jedoch je nach Situation entscheiden, wie intensiv und wie lange du deine Bauchmuskulatur anspannst, um die gewünschte Wirkung zu erreichen.

Mit dieser Technik und ein wenig Übung und Gefühl für die Bewegung deines Pferdes wirst du mit der Zeit immer leichter auf dein Pferd einwirken können ohne selbst im Becken zu blockieren oder die Rückenbewegung deines Pferdes zu stören.

 

Zum Weiterlesen

 

Soviel man in entsprechenden Fachbüchern zum Thema Paraden nachlesen kann, soweit ist auch der Interpretationsspielraum in der Praxis. Sehr anschauliche Erklärungen findest du auch in diesem Interview mit Kurd Albrecht von Ziegner passend zum Thema und auch dieser Text von Anja Beran ist empfehlenswert.

 

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Viel Spaß beim Üben und eine schöne Woche

Corinna1

 

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